Der Papst beleidigt den Islam - Muslime beleidigen den Papst PDF Drucken E-Mail
Aus dem Netz

Der Papst zitiert in Regensburg ein Tischgespräch eines weithin unbekannten byzantinischen Kaiser aus dem Jahre 1391, und sofort beginnen die üblichen notorisch beleidigten Muslime weltweit, wie der Pawlowsche Hund beim Klang des Glöckchens, zu eifern und zu geifern. Natürlich nicht alle Muslime. Vielen werden der Papst und seine Worte so egal sein, wie wenn im Vatikan ein Sack Hostien umfällt. Andere mögen die, zugegeben sehr intellektuelle Intention Benedikts XVI einigermaßen nachvollziehen können, aber die Art und Weise seiner Äußerung kritisieren. Dennoch habe ich den Eindruck, dass gewisse muslimische Gruppen mit den Füßen scharrend nur darauf warten, dass aus Europa auch nur das geringste Fünkchen Kritik an der terroristischen, Gewalt rechtfertigenden Auslegung des Koran ertönt, um gleich die Gesamtheit der Muslime und ihren Glauben verhöhnt, beleidigt und verspottet zu wähnen. Dann werden die üblichen Schilder gemalt, Fahnen zum späteren Verbrennen gebastelt und in, zum Teil gewalttätigen, Demonstrationen die Empörung laut hinaus skandiert und dabei das Selbstverständnis als Muslime und das kollektive Ego gestreichelt. Dass bisher keine brennende Flagge des Vatikan zu sehen war, mag wohl daran liegen, dass sie wesentlich komplizierter aufgebaut ist als die dänische. Selbst jene Muslime, die dem Ganzen eher gleichgültig gegenüber stehen, werden im Taumel der Empörung aufgestachelt, sich dem wütenden Mob anzuschließen.

Nun mag man sich fragen, ob der Papst sie noch alle hat, Öl in ein ohnehin schon lichterloh brennendes Feuer zu gießen. Er hat sie noch alle! Sogar mehr, als die meisten. Selbst mir als Nicht-Katholik nötigt sein großes Wissen und seine intellektuelle Interpretation des katholischen Glaubens, die mir verständlicher ist als die eher intuitive Deutung seines Vorgängers, Respekt ab. Teile seiner Rede mögen für schlichtere Gemüter missverständlich gewesen sein - bösartig war sie nicht.
Ratzingers Äußerungen sind als Kritik an der religiös gerechtfertigten Gewalt zu verstehen. Das betrifft in erster Linie ALLE Religionen, aber aufgrund der Ereignisse der letzten Jahre vor allem muslimische Terroristen. Und die meisten Kritiker, die dem Papst Verallgemeinerung und mangelnde Differenzierung vorwerfen, wenden selbst eben diese Verallgemeinerung und mangelnde Differenzierung in ihrer oft völlig überzogenen Kritik an, die oft schon jedes vernünftige Maß überschreitet, wenn etwa Benedikt XVI mit Hitler, Stalin oder den mittelalterlichen Kreuzzüglern gleichgesetzt wird.

Dass auch Christen in der Vergangenheit mit Krieg und Gewalt grausam ihren Glauben verbreiten wollten leugnet selbst der Papst nicht. Dazu kennt er die Geschichte des Christentums zu gut, besser als die Allermeisten. Allerdings ist dieses dunkle Kapitel des Christentums Geschichte. Lassen heutzutage katholische Selbstmordattentäter arabische Flugzeuge auf die Kaaba stürzen oder sprengen sie in Karachi vollbesetzte Busse in die Luft? Muslimische Terroristen sind es, die es als ihr von Allah gegebenes Recht ansehen, unbeteiligte Zivilisten weltweit zu ermorden.
Trotzdem wird jegliche berechtigte Kritik an diesen Verbrechen als Beleidigung ALLER Muslime gesehen. Jene Muslime, die sich nicht in der Lage sehen oder nicht Willens sind, die Gewalttaten der Verirrten und Verwirrten aus den eigenen Reihen einhellig zu verurteilen, selbst wenn diese gegen die Grundsätze des islamischen Glaubens verstoßen, üben plötzlich den Schulterschluss wenn es gilt, in der Ablehnung dieser Verbrechen von nicht-muslimischer Seite einen Generalangriff auf den Propheten, Allah und den Islam insgesamt zu wittern.

Wer hier wen beleidigt ist offensichtlich. Während im christlich geprägten Europa Muslime frei ihren Glauben ausüben, sich versammeln und Moscheen bauen dürfen und die gleiche Rechtssicherheit wie Nicht-Muslime genießen, werden in den meisten muslimischen Ländern Christen behindert, diskriminiert oder gar offen verfolgt, der Bau von Kirchen ebenso verboten wie die Versammlung zur gemeinsamen Andacht. Willkommen sind Christen dort höchstens als Devisen bringende Touristen.
Dies ist eine Missachtung des christlichen Glaubens, der über pure Worte hinausgeht und nicht bloß ein Affront gegen Christen, sondern gegen alle für Toleranz, Glaubensfreiheit und Menschenrechte einstehenden Menschen, selbst wenn sie keiner Religion angehören.
Die meisten Muslime werden von anderen Muslimen getötet, gefoltert, vergewaltigt und vertrieben. Nicht der "dekadente Westen" ist es, der den muslimischen Glauben mit Füßen tritt, sondern Muslime, die zwar den Wahrheitsanspruch und den Anspruch auf allgemeine Gültigkeit des Koran verinnerlicht, aber wohl jene Suren übersprungen oder nicht verstanden haben, in dem Frieden und Achtung des Lebens gefordert werden und in denen an die Gläubigen mit die höchsten ethischen Ansprüche aller Religionen überhaupt gestellt werden.

Wenn man sich aber nun im Besitz der "einzig gültigen Wahrheit" sieht, kann einem da nicht jede Kritik, sogar Spott an eben dieser Wahrheit völlig egal sein und mit einem Schulterzucken abgetan werden? Schließlich weiß man es ja besser und die anderen können reden soviel sie wollen. Ein vernünftiger Ansatz könnte man meinen, der hier aber nicht greift. Zu groß ist das Minderwertigkeitsgefühl unter den Muslimen und der Neid auf den "reichen Westen". Zu groß der Hass, von fanatischen alten Männern genährt, und der Drang, einen Schuldigen für die eigene Misere ausfindig zu machen und, selbst wenn es nur in Form einer Demonstration ist, gegen ihn vorzugehen. Kritische Äußerungen, selbst wenn sie nur auf radikale Minderheiten unter den Muslimen abzielen, kommen da wie gerufen. Und es ist in diesem Zusammenhang schon verwunderlich und inkonsequent, dass die gleichen Muslime in der Hoffnung auf ein besseres Leben eben in jene Länder zu gelangen versuchen, deren Fahnen sie vor kurzem noch in einem Ausbruch von Hass verbrannt haben.

Nicht der "Westen", die USA, Europa oder gar eine ominöse "zionistische Weltverschwörung" sind verantwortlich an den schlechten Lebensbedingungen, der Armut und mangelnden Zukunftsperspektive vieler Muslime. Die eigenen korrupten und unfähigen Regierungen sind es. Und wenn schon das Wort "Dekadenz" ins Spiel gebracht wird, dann trifft es vor allem auf die saudischen "Hüter der Heiligen Stätten" zu, die nach New York zum shoppen, nach Paris zum vögeln und nach Genf zur Entspannung von der Last des Reichtums jetten. Gleichzeitig fördern und verbreiten eben jene den rückwärtsgerichteten und intoleranten Wahabismus als einzig wahre Auslegung des Islam. Heuchelei im wahrsten Sinne des Wortes!

Aus all dem kann ich nur schließen, dass vielen Muslimen das eigene Weltbild, der eigene Glaube und die eigenen Werte über Alles gehen. Andere Werte und Religionen werden missachtet oder beleidigt, oft sogar fern der eigenen Heimat in den Gastländern. Wer anderen Ansichten, anderen Religionen und Werten dermaßen respektlos, hasserfüllt und intolerant gegenüber steht, darf seinerseits nicht verlangen, respektiert, geachtet und toleriert zu werden, schon gar nicht, wenn er von den vermeintlichen "Beleidigern" mehr Freiheiten eingeräumt bekommt, als er ihnen seinerseits zugestehen will.