Geschlechtserziehung PDF Drucken E-Mail

Sexualisierung nach Lehrplan

M. Hageböck

Warum Eltern ihre Kinder vor dem Staat schützen sollten.

Wer Grippe hat, bekommt vom Arzt eine Krankmeldung, der nicht zu entnehmen ist, wie die Diagnose lautet. Von Erwachsenen wird nicht verlangt, über persönliche, womöglich sogar über intime Dinge zu sprechen – von Kindern schon. So jedenfalls sieht es die „Familien- und Geschlechtserziehung“ in der Schule vor.

Hier wird der Geschlechtsverkehr u.a. durch einen Zeichentrickfilm veranschaulicht: Das Bett wackelt, bis eine Explosion die Szene beendet: Der Orgasmus ist der Knaller. Christliche Eltern sollten schockiert sein, wenn sie wüssten, was in ihrer staatlichen Grundschule veranstaltet wird. Doch mehrheitlich schweigen sie oder schauen einfach weg. Auf dem PC müssen Erstklässler ein Sperma-Wettrennen zocken, mit Holzmalstiften werden Vagina und Penis eingefärbt. Spätestens ab der 5. Klasse wissen die Kinder über alles bescheid, machen Berührungsspiele und werden herausgefordert, sämtliche Fragen zu stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen.

Offiziell geht es um Aufklärung, um „notwendiges“ Wissen, mit welchem man die Kinder schützen will. Wer dies in Frage stellt, gilt als verklemmt. Möglicherweise ist es aber genau umgekehrt: Sind nicht jene verklemmt, die den Lehrern überlassen, was eigentlich ihre elterliche Aufgabe wäre? Wenn Mütter und Väter mit ihren Kindern reden würden, wieso braucht man dann die schulische „Familien- und Geschlechtserziehung“?
Das Konzept der Sexualpädagogik ist in sich abzulehnen. Es zerrt an die Öffentlichkeit, was seinem Wesen gemäß in die Privatsphäre gehört. Bewusst soll die Scham der Kinder zerstört werden, welche ein Schutz dagegen ist, sich selbst als ein Stück Fleisch zur Stillung viehischer Begierden zu betrachten. Nach christlichem Verständnis muss Geschlechtserziehung vor allem eine Erziehung zur Keuschheit sein, welche eine geistige Kraft ist, die Liebe von Egoismus und Aggressivität befreit – und so zu einer wahren Freiheit führt. Frei ist nämlich nicht der Schrankenlose (etwa der Süchtige), sondern wer durch den Verzicht auf gewisse Handlungen Herr über seine Entscheidungen bleibt - wie man im Deutschen so schön sagt: durch Beherrschung. Ob eine Geschlechtserziehung gelingt, hängt weniger von der Menge des Wissens ab, sondern von der Stärkung des Willens und der Bewahrung des Schamgefühls.
Aus einem zweiten Grund ist schulische Geschlechtserziehung in sich schlecht: Die Aufklärung in der Gruppe vermag nicht dem individuellen Entwicklungsstand des einzelnen Kindes gerecht zu werden. Die verfrühte Beschäftigung mit diesen Dingen beeinträchtigt die Entwicklung der Gefühlswelt, stört die natürliche Unbefangenheit und verletzt schließlich die Unschuld des Kindes. Wessen Gedanken nur um den Unterleib kreisen, hat den Kopf nicht mehr frei, um konzentriert zu lernen, geschweige denn unbeschwert Kind sein zu können. Nach 40 Jahren Aufklärung besteht die Standard-Sozialisation bis zum 14. Lebensjahr darin, die verkrachte Beziehung seiner Eltern zu verdauen, um dann hart genug zu sein, selber als Wanderpokal herum gereicht zu werden. Was hat die Sexualpädagogik gebracht, außer sexuellen Übergriffen von Kindern unter einander,Teenanger-Schwangerschaften und einer Akzeptanz von Massenabtreibungen?
Was kann Schule wirklich leisten? Sie sollte zunächst die beiden grundlegenden Prinzipien der christlichen Soziallehre beachten: Personalität und Subsidiarität. Jedes Kind ist in seiner Individualität zu respektieren und sollte in den biologischen Fakten von seinen Eltern behutsam unterwiesen werden. Wenn der Vater dem Sohne (bzw. die Mutter der Tochter) dies nicht beizubringen vermag, kann ergänzend die Schule helfen, wobei Jungs und Mädchen zu trennen sind. Photographische Darstellungen gilt es ebenso wie Details zu vermeiden. Insgesamt geht es im biologischen Bereich mehr um ein Staunen, als um ein Wissen, um die Ehrfurcht vor dem Mitmenschen und nicht um die Stimulierung von Neugierde oder Phantasie. Es geht um ein positives Verhältnis zur Leiblichkeit und um die Wertschätzung des neuen Lebens von Anfang an.
Wenn man sich kritisch über den Fernseher unterhalten will, braucht man auch nicht alle Details seines Innenlebens kennen, sondern sollte über Gewalt und Dauerberieselung sprechen. Viel wichtiger als die Beschäftigung mit erogenen Zonen ist bei der „Familien- und Geschlechtserziehung“ deswegen die moralische Ebene: Was befähigt einen jungen Menschen zur Eheschließung und zur Gründung einer christlichen Familie? Der Lehrer sollte zu einem gelingenden Leben ermutigen: zur Bewahrung der Reinheit, zum Gebet für den künftigen Ehepartner, zu Kinderreichtum und dazu, gegen den Strom zu schwimmen. Eine Richtlinie geben neben der Bibel u.a. die Enzyklika „Deus caritas est“ von Papst Benedikt XVI. (2006) sowie „Menschliche Sexualität – Wahrheit und Bedeutung“ vom Päpstlichen Rat für die Familie (1995). Allgemein verständlicher kann man es auch bei Gabriele Kuby nachlesen oder Joshua Harris. Seit Jahren schon setzt sich der „Freundeskreis Maria Goretti“ für Eltern ein, die ihre Kinder nicht der schulischen Sexualisierung aussetzen wollen.