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WIE WÄRS MIT SCHULFREI?
Verfasser der Redaktion bekannt

Warum Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten

Hand aufs Herz: Welcher Lehrer hat Ihnen das Sprechen beigebracht? Bei welchem professionellen Erzieher lernten Sie Fahrrad fahren oder sich intelligent zu unterhalten, wie man sich benimmt oder mit Geld umgeht? Wenn Sie jetzt noch behaupten, Sie hätten Ihre Magisterarbeit mit Hilfe einer pädagogischen Fachkraft geschrieben, ist bei Ihnen irgendetwas schief gelaufen.

Manche Dinge sind in unserem Leben so sehr institutionalisiert, dass wir gar nicht mehr in der Lage sind, einmal locker darüber nachzudenken. Generationen wurden auf die Schulpflicht konditioniert: dieses Thema sitzt so sperrig in unseren Gehirnwindungen, dass wir wie Hofhunde zu heulen anfangen, wenn jemand unserer Kette zu nahe kommt. Hat mich die Schule wirklich aufs Leben vorbereitet? An was erinnere ich mich, wenn ich an meinen Unterricht denke? Eigentlich hat doch jeder die wesentlichen Dinge außerhalb des Klassenzimmers gelernt – nicht wegen, sondern trotz Schule.
Über eines sollte auch die Macht der Gewohnheit nicht hinwegtäuschen: Erziehung findet zu Hause statt – oder sie findet nicht statt. Warum dürfen sich Familien nicht der Last entledigen, auch noch die schulisch bedingten Deformationen ihrer Kinder ausbügeln zu müssen? Homeschool-Familien belegen, dass Pubertätsprobleme im wesentlichen ein Resultat der Schulsozialisierung sind. Hat ein harmonisches Familienleben nicht Vorrang vor Profilierungsneurosen von Kultusministern?
Aber: In die Pauke muss doch jeder! Oder wollen Sie Töchter und Söhne unter der Käseglocke aufwachsen lassen? Fragt sich, ob nicht das Klassenzimmer die Käseglocke ist: ein Labor voller Probanten gleichen Alters, die im 45-Minuten-Takt im Kampf gegen die Unlust zusammengepfercht werden, wo die ersten aus Langeweile ihre Tische bemalen, während die Letzten mit glühenden Augen darauf hoffen, dass der Lehrer nochmals den Stoff von vor zwei Jahren wiederholt. In den Pausen wird Luft geholt: Man checkt ab, welche Marken man tragen muss, wer mit wem geht und welche Handys angesagt sind. Macht jemand nicht mit, kriegt er eins auf die Mütze. Nein, hinter dem Mond wollen wir nicht leben. Seit der letzten Klassenfahrt sind Augen, Mund und Ohren niet- und nagelfest zugepearct. Wie könnte man besser gesellschaftstauglich werden?
Kommen wir zurück zu den wesentlichen Dingen. Darauf kann Kind sich konzentrieren, wenn es zu Hause bleibt. Studien aus der Schweiz belegen, dass one-to-one-teaching etwa 400% effektiver ist: Wenn sich also eine durchschnittlich ausgebildete Mutter anderthalb Stunden pro Tag ihrem Kind widmet, hat es mit Sicherheit mehr gelernt, als an einem langen Schultag. Und dann bleibt noch genügend Zeit für Interessen, die das Kind gemeinsam mit seinen Eltern oder Freunden entdecken und gezielt verfolgen kann. Seit dem achtjährigen Gymnasium samt Ganztagsabschiebehaft sind die Musikschulen und Sportvereine leergefegt.
Trotz Pisa wird Deutschland immer mieser. Das müsste nicht sein. Homeschooler Christopher Paolini schrieb mit 15 Jahren seinen Bestseller-Roman „Eragon“, der dieses Jahr in die Kinos kommt. Joshua Harris, Autor von „Ungeküsst und doch kein Frosch“, wurde ebenfalls von seinen Eltern unterrichtet. Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit, Disziplin und ergebnisorientiertes Arbeiten ist ein Synonym für Homeducation. Derzeit machen fast 2 Millionen US-Amerikaner mit Erfolg Unterricht zu Hause. Nachdem Christen sich jahrelang dafür eingesetzt hatten, werden heute an vielen Unis Homeschooler bevorzugt genommen. Als Deutschland noch als Land der „Dichter und Denker“ galt, war dies auch bei uns Gang und Gäbe: die Gebrüder Grimm waren im holden Alter von 14 Jahren mit Goethe und Schillers Werken vertraut. Kein Wunder, denn sie hatten ihre Zeit nie in der Schule vertan. Heute müsste man lange suchen, ehe man einen 14jährigen findet, der auch nur zwei Seiten aus einem Drama Schillers fehlerfrei vorlesen kann. Goethe hatte ebenso wie Mozart oder Hölderlin sein Leben lang schulfrei und Schillers Karriere begann erst, als er der „Militärpflanzanstalt“ entfloh. Ähnliche Erfahrungen machte C. S. Lewis, der in seiner Autobiographie die Schulzeit unter dem Kapitel „Konzentrationslager“ abhandelte.
Wertneutralen Unterricht gibt es nicht. Darum sind christliche Schulen als Alternative zum staatlichen Einheitssystem so wichtig. Nachdem in den 70er Jahren die Schüler als Manipulationsmasse der Lehrer entdeckt wurden, eroberten Eltern in den vergangenen Jahren wieder ihre ureigensten Rechte zurück. In ganz Europa ist Homeeducation mittlerweile wieder erlaubt - außer in Deutschland und auf dem Balkan. Hört sich an wie ein Witz, ist aber keiner. „Made in Germany“ ist schon lange kein Gütesiegel für solide Qualität mehr, wird aber nach der Reform der Reform unseres Bildungssystems bald ein Label für Ramsch aus einem Billiglohnland.
Wer sein Kind in die Schule schickt, bringt es um Wettbewerbsvorteile. Leider hat man in unserer Republik kaum eine andere Wahl, es sei denn, man bietet dem Großen Bruder die Stirn. „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern“ heißt es im 6. Artikel des Grundgesetzes, was allerdings keineswegs bedeutet, dass die Erziehung der Kinder den Eltern obliegt. Ist doch logisch. Geplant sind verpflichtender Kindergartenbesuch und verbindliche Elterngespräche mit einem Lehrer im halbjährlichen Turnus. Die Familie am Gängelband eines pädagogisch verbrämten Blockwartsystems. Eine Nische bieten christliche Privatschulen. Denn wer sein Kind zu Hause erzieht, disqualifiziert sich gesellschaftlich noch mehr als wer ein fremdes Haus besetzt, geschweige denn wer vergisst seine Joghurtbecher abzuspülen, bevor er sie ordentlich gestapelt in den Gelben Sack steckt. Während es die Berliner Polizei aufgegeben hat, 5000 Schulverweigerern der Hauptstadt in Spielhallen oder auf dem Strich zu suchen, werden die Eltern der bundesweit 500 Homeschooler gnadenlos vor den Richter gezerrt. Wer sich um seine Kinder kümmert, muss schon mal mit Strafen bis zu 20.000 Euro rechnen. Könnte der Staat da nicht wenigstens kulanterweise den Modus von § 218 StGB zur Anwendung bringen, nämlich die Ausübung des Elternrechtes als gesetzeswidrig bezeichnen, ohne es jedoch zu bestrafen? Aber auch hier gilt wohl die Maxime, dass es einfacher sein muss, seine Kinder zu ver- bzw. entsorgen, als sich ihrer liebend anzunehmen.
Bei soviel Ignoranz gilt es sich mit allen Homeschoolern zu solidarisieren, sie aufzumuntern, Leserbriefe zu schreiben, das Schweigen zu brechen und damit den staatlichen Zugriff auf unsere Kinder. Freilich sollen die Vorteile der Schule nicht unterschlagen werden: Das Schlagwort „Lernen durch Lehren“ verwirklicht sich, wenn Schüler zur Inbetriebnahme von DVD-Player und Beamer herangezogen werden; in Großstädten lernt die muttersprachliche Minorität mittels Gebärden zu kommunizieren; Eltern bekommen die Chance, beim Kuchenverkauf am Schulfest Kontakte zu ihrer Peergroup zu knüpfen. Diese Möglichkeiten sollen niemanden vorenthalten werden. Da wir alle ohnehin nur das Beste für unsere Kinder wollen, fragt sich nur, ob es nicht an der Zeit wäre, über einen Wechsel an eine christliche Schule nachzudenken oder gar Homeeducation zu praktizieren. Wenn nicht in unserer Republik, dann eben in einem der Nachbarländer.