Zwölf Apostellehre (Didachae) PDF Drucken E-Mail

Die Lehre des Herrn durch die zwölf Apostel für die Heiden (ca. 100 n.Chr.)

[Die Zwei-Wege-Lehre, der erste Weg]

1.Kapitel

1,1. Zwei Wege gibt es, einen des Lebens und einen des Todes. Der Unterschied aber ist groß zwischen den beiden Wegen.

2. Der Weg nun des Lebens ist dieser:
"Erstens sollst du Gott lieben, der dich geschaffen hat, zweitens deinen Nächsten wie dich selbst"; alles aber, von dem du willst, daß es dir nicht geschehe, das tu auch du nicht einem anderen.

3. Die Lehre aber dieser Worte ist diese:
Segnet die, die euch verfluchen, und betet für eure Feinde; fastet aber für die, die euch verfolgen. Denn welche Gunst (habt ihr), wenn ihr (nur) die liebt, die euch lieben? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr aber: Liebt die, die euch hassen, und ihr werdet keinen Feind haben. [unklar. Vermutlich: Beharrliche Liebe zerstört Feindschaft]

4. Enthalte dich der fleischlichen [und körperlichen] Begierden. Wenn dir jemand einen Schlag auf die rechte Wange gibt, halte ihm auch die andere hin, und du wirst vollkommen sein. Wenn dich jemand zwingt zu einer Meile, geh mit ihm zwei.
Wenn dir jemand deinen Mantel nimmt, gib ihm auch das Untergewand. Wenn jemand dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück; du kannst es ja ohnehin nicht.

5. Jedem, der dich (um etwas) bittet, gib, und fordere es nicht zurück; denn der Vater will, daß allen gegeben wird von seinen eigenen Gnadengaben. Selig, wer gibt nach dem Gebot; denn untadelig ist er. Wehe dem, der nimmt. Denn zwar: wenn jemand aus Mangel nimmt, wird er untadelig sein; wer aber keinen Mangel hat, wird Rechenschaft ablegen müssen, weshalb er genommen hat und wofür. In den Kerker geworfen wird er verhört werden hinsichtlich dessen, was er getan hat, und er wird nicht hinauskommen von dort, bis er den letzten Pfennig zurückerstattet hat.

6. Aber auch darüber ist gesagt worden: "Es soll schwitzen dein Almosen in deinen Händen, bis du weißt, wem du es gibst." [evtl. ist Sir. 12,1 gemeint, in einer anderen Übersetzung als heute bekannt.]

2.Kapitel

2,1. Das zweite Gebot der Lehre aber:

2. Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht Knaben schänden, du sollst nicht huren, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht Zauberei treiben, du sollst nicht Gift mischen, du sollst nicht ein Kind durch Abtreibung morden, und du sollst das Neugeborene nicht töten.

3. Du sollst nicht den Besitz deines Nächsten begehren, du sollst nicht falsch schwören, du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen, du sollst nicht Übles reden, du sollst Böses nicht nachtragen.

4. Du sollst nicht doppelsinnig/falsch sein und nicht doppelzüngig; denn eine Schlinge des Todes ist die Doppelzüngigkeit.

5. Dein Wort soll nicht erlogen sein, nicht leer, sondern voller Tat.

6. Du sollst kein Habgieriger sein, auch kein Räuber, auch kein Heuchler, auch nicht boshaft, auch nicht hochmütig. Du sollst keinen bösen Entschluß fassen wider deinen Nächsten.

7. Du sollst keinen Menschen hassen; vielmehr sollst du die einen zurechtweisen, für die anderen sollst du beten, wieder andere sollst du lieben mehr als dein Leben.

3. Kapitel

[Die Teknon(Kind)-Sprüche (3, 1-6):]

3,1. Mein Kind, flieh vor jeglichem Bösen und vor allem, was ihm ähnlich ist.

2. Sei nicht zornig; der Zorn nämlich führt zum Mord. Sei auch kein Fanatiker, nicht streitsüchtig, nicht zornmütig; denn aus diesem allen entstehen Morde.

3. Mein Kind, sei nicht lüstern, denn die Lüsternheit führt zur Hurerei. Sei auch kein Zotenreißer und keiner der lüstern herumschaut; aus diesem allem nämlich entstehen Ehebrüche.

4. Mein Kind, sei kein Vogelschauer [einer, der aus dem Flug der Vögel, oder deren Stimme "weissagen" kann.], weil das zum Götzendienst führt; auch kein Beschwörer, auch kein Sterndeuter, auch kein Sühnezauberer; hab auch nicht die Absicht/das Verlangen, das zu sehen (und zu hören). Aus diesem allem nämlich entsteht Götzendienst.

5. Mein Kind, sei kein Lügner, weil das Lügen zum Diebstahl führt; auch nicht geldgierig oder prahlerisch. Aus diesem allem nämlich entstehen Diebstähle.

6. Mein Kind, sei keiner, der (gegen Gott) murrt, weil das zur Lästerung führt; (sei) auch nicht selbstgefällig oder böswillig. Aus diesem allem nämlich entstehen Lästerungen.

[Die Anawim-Sprüche: AT-jüdische Frömmigkeit (3,7-10)]

7. Sei hingegen sanftmütig, weil die Sanftmütigen die Erde erben werden.

8. Sei langmütig und barmherzig, ohne Falsch, still und gütig und in jeder Hinsicht die Worte fürchtend, die du gehört hast.

9. Du sollst nicht dich selbst erhöhen, und du sollst deiner ,Seele' keine Unverschämtheit eingeben (= nicht frech werden). Deine ,Seele' soll sich nicht mit Hochmütigen verbinden, sondern mit Gerechten und Demütigen (Niedrigen) sollst du Umgang haben.

10. Was dir an Fügungen begegnet, sollst du als Gutes hinnehmen, im Wissen, daß ohne Gott nichts geschieht.

4. Kapitel

4,1. Mein Kind, dessen, der dir das Wort Gottes predigt, sollst du eingedenk sein bei Nacht und Tag; du sollst ihn ehren wie den Herrn. Denn von woher das Wesen des Herrn gepredigt wird, dort ist der Herr.

2. Du sollst jeden Tag das Angesicht der Heiligen aufsuchen, damit du dich stützest auf ihre Worte.

3. Du sollst keine Spaltungen verursachen, du sollst vielmehr Kämpfende (Streitende) befrieden. Du sollst gerecht richten; du sollst die Person nicht ansehen, um bei Verfehlungen (die Täter) zu überführen.

4. Du sollst nicht zweifeln, ob es sein wird oder nicht.

5. Sei nicht einer, der zum Nehmen die Hände ausstreckt, zum Geben aber einzieht.

6. Wenn du (etwas) hast durch die Arbeit deiner Hände, sollst du (es) geben als Lösegeld für deine Sünden.

7. Du sollst nicht zögern zu geben; und du sollst, wenn du gibst, nicht murren. Denn du wirst erfahren, wer des Lohnes gütiger Erstatter ist.

8. Du sollst dich nicht abwenden von dem Bedürftigen; du sollst vielmehr alles teilen mit deinem Bruder, und du sollst nicht sagen, etwas sei (dein) Eigentum. Denn wenn ihr Teilhaber seid in den unsterblichen Gütern, um wieviel mehr in den sterblichen Dingen?

9. Du sollst deine Hand nicht abziehen von deinem Sohn oder von deiner Tochter, sondern du sollst (sie) von Jugend auf lehren die Furcht Gottes.

10. Du sollst deinem Sklaven oder deiner Sklavin, die doch auf denselben Gott hoffen, keine Befehle erteilen in Bitterkeit, damit sie nicht etwa die Furcht verlieren vor dem, (der) Gott über beiden (ist). Denn er kommt nicht zu berufen nach dem Ansehen der Person, sondern zu denen, die der Geist bereitet hat.

11. Ihr Sklaven aber sollt euch euren Herren unterordnen als dem Abbild Gottes mit Respekt und Ehrfurcht.

12. Du sollst hassen jegliche Heuchelei und alles, was dem Herrn nicht gefällt.

13. Du sollst keinesfalls verlassen die Gebote des Herrn; du sollst vielmehr bewahren, was du empfangen hast, weder (etwas) hinzufügend noch wegnehmend.

14. In der Gemeindeversammlung sollst du deine Übertretungen bekennen, und du sollst nicht hintreten zu deinem Gebet mit schlechtem Gewissen.

Das ist der Weg des Lebens.

 

[Die Zwei-Wege-Lehre, der zweite Weg]

5. Kapitel

5,1. Der Weg aber des Todes ist dieser:

Vor allem ist er böse und voll des Fluchs:

Morde, Ehebrüche, Begierden, Hurereien, Diebstähle, Götzendienste, Zaubereien, Giftmischereien, Räubereien, falsche Zeugnisse, Heucheleien, zweideutiges Verhalten, Hinterlist, Überheblichkeit, Bosheit, Übermut, Habgier, schmutzige Reden, Eifersucht, Frechheit, Hochmut, Prahlerei, [Mangel an Ehrfurcht].

2. (Die solches tun, sind) Verfolger des Guten, sie hassen die Wahrheit, sie lieben die Lüge, sie kennen den Lohn der Gerechtigkeit nicht, sie sind nicht dem Guten verbunden und nicht dem gerechten Gericht, sie achten nicht auf das Gute, sondern auf das Böse; fern sind ihnen Demut/Sanftmut und Geduld, (sie) lieben Nichtiges, sie jagen nach Belohnung, sie erbarmen sich des Armen nicht, sie bemühen sich nicht um den Mühseligen, sie erkennen den nicht, der sie geschaffen hat, (sie sind) Mörder der Kinder, Verderber des Gottesgeschöpfes, sie wenden sich ab von dem Bedürftigen, sie plagen den Bedrückten, sie sind Fürsprecher der Reichen, ungerechte Richter der Armen, durch und durch sündig. Mögt ihr doch, Kinder, vor diesem allem bewahrt werden!

6. Kapitel

6,1. Sieh zu, daß niemand dich abbringe von diesem Weg der Lehre, weil er (dann) fernab von Gott dich lehrt.

2. Denn wenn du das ganze Joch des Herrn zu tragen vermagst, wirst du vollkommen sein; wenn du es nicht vermagst, so tu, was du kannst.

3. Betreffs der Speise aber: So halte ein, was du kannst. Vor dem Götzenopferfleisch aber hüte dich sehr; denn es ist kultische Verehrung toter Götter.

[Die Agende]

7. Kapitel

7,1. Betreffs der Taufe aber: Tauft so: Nachdem ihr dies alles zuvor gesagt habt, tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit lebendigem (= fließendem) Wasser.

2. Wenn du aber kein lebendiges Wasser hast, taufe in anderem Wasser. Wenn du aber nicht in kaltem Wasser (taufen) kannst, (dann) in warmem.

3. Wenn du aber beides nicht hast, dann gieße auf den Kopf dreimal Wasser auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

4. Vor der Taufe aber sollen der Täufer und der Täufling fasten und wenn möglich einige andere. Du sollst aber dem Täufling befehlen, einen oder zwei Tage lang vorher zu fasten.

8. Kapitel

8,1. Eure Fasten aber sollen nicht gemeinsam sein mit den Heuchlern; sie fasten nämlich am zweiten und fünften Tag der Woche, ihr aber fastet am vierten Tag und am Rüsttag (= Freitag).

2. Auch betet nicht wie die Heuchler, sondern wie der Herr geboten hat in seinem Evangelium, so betet:

Vater unser in dem Himmel, geheiligt werde dein Name, es soll kommen deine Herrschaft, es soll geschehen dein Wille wie im Himmel, so auf der Erde. Unser tägliches Brot gib uns heute, und erlasse uns unsere Schuld, wie auch wir sie erlassen unseren Schuldnern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen; denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

3. Dreimal am Tag betet so!

 

[Die Mahlfeier]

9. Kapitel

9,1. Betreffs der Eucharistie aber: Sagt folgendermaßen Dank:

2. Zuerst den Kelch betreffend: Wir danken dir, unser Vater, für den heiligen Weinstock Davids, deines Knechts, den du uns offenbart hast durch Jesus, deinen Sohn. Dir sei die Herrlichkeit in Ewigkeit!

3. Betreffs des gebrochenen Brotes aber: Wir danken dir, unser Vater, für das Leben und die Erkenntnis, die du uns kundgemacht hast durch Jesus, deinen Sohn. Dir sei die Herrlichkeit in Ewigkeit.

4. Wie dieses (gebrochene Brot) zerstreut war auf den Bergen, und zusammengebracht ist es eins geworden, so soll deine Kirche zusammengebracht werden von den Enden der Erde in dein Reich. Denn dein ist die Herrlichkeit und die Kraft durch Jesus Christus in Ewigkeit.

5. Niemand aber soll essen und auch nicht trinken von eurer Eucharistie als die, die getauft worden sind auf den Namen des Herrn. Denn auch darüber hat der Herr gesprochen: Gebt nicht das Heilige den Hunden.

10. Kapitel

10,1. Nach der Sättigung aber sagt folgendermaßen Dank:

2. Wir danken dir, heiliger Vater, für deinen heiligen Namen, den du hast Wohnung nehmen lassen in unseren Herzen, und für die Erkenntnis und den Glauben und die Unsterblichkeit, die du uns kundgemacht hast durch Jesus, deinen Sohn. Dir sei die Herrlichkeit in Ewigkeit.

3. Du Herr, Allmächtiger, hast alles geschaffen um deines Namen willen; Speise und Trank hast du den Menschen gegeben zum Genuß, damit sie dir Dank sagen; uns aber hast du geschenkt geistliche Speise und Trank und ewiges Leben durch Jesus deinen Sohn.

4. Für alles sagen wir dir Dank, weil du mächtig bist. Dir sei die Herrlichkeit in Ewigkeit.

5. Gedenke, Herr, deiner Kirche, sie zu bewahren vor allem Bösen und sie zu vollenden in deiner Liebe, und führe sie zusammen von den vier Winden - die geheiligte - in dein Reich, das du für sie bereitet hast. Denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

6. Es komme Gnade, und es vergehe diese Welt. Hosianna dem Gotte Davids. Wenn jemand heilig ist, komme er. Wenn er es nicht ist, tue er Buße. Maranatha. Amen.

7. Den Propheten aber gestattet, Dank zu sagen, soviel sie wollen.

8. [kopt. Text] Für das Salböl aber sagt folgendermaßen Dank:

Wir danken dir, Vater, für den Wohlgeruch des Salböls, welches du uns kundgemacht hast durch Jesus, deinen Sohn. Dir sei die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

[Die Kirchenordnung]

11. Kapitel

11,1. Wer nun kommt und euch all das bisher Gesagte lehrt, den nehmt auf.

2. Wenn aber der Lehrende selbst sich abwendet und eine andere Lehre lehrt, um (die rechte Lehre) aufzulösen, so hört nicht auf ihn; (lehrt er) hingegen, um zu vermehren Gerechtigkeit und Erkenntnis des Herrn, so nehmt ihn auf wie den Herrn.

3. Aber hinsichtlich der Apostel und Propheten verfahrt nach der Weisung des Evangeliums so:

4. Jeder Apostel, der zu euch kommt, soll aufgenommen werden wie der Herr.

5. Er soll aber nur einen Tag lang bleiben; wenn aber eine Notwendigkeit besteht, auch den zweiten. Wenn er aber drei bleibt, ist er ein Pseudoprophet.

6. Wenn aber der Apostel weggeht, soll er nichts mitnehmen außer Brot, bis er übernachtet; wenn er aber um Geld bittet, ist er ein Pseudoprophet.

7. Und jeden Propheten, der im Geist redet, stellt keinen auf die Probe und fällt kein Urteil über ihn; denn jede Sünde wird vergeben werden, diese Sünde aber wird nicht vergeben werden.

8. Nicht jeder, der im Geist redet, ist ein Prophet; sondern wenn er die dem Herrn entsprechenden Verhaltensweisen hat. An den Verhaltensweisen also werden der Pseudoprophet und der Prophet erkannt werden.

9. Und kein Prophet, der im Geist einen Tisch bestellt, ißt selbst daran; andernfalls ist er ein Pseudoprophet.

10. Jeder Prophet aber, der die Wahrheit lehrt, ist, wenn er nicht tut, was er lehrt, ein Pseudoprophet.

11. Jeder bewährte, wahrhaftige Prophet aber, handelnd für das irdische Geheimnis der Kirche, aber nicht lehrend das zu tun, was er selbst tut, soll nicht bei euch gerichtet werden; denn bei Gott hat er (sein) Gericht. Ebenso nämlich haben es auch die alten Propheten gemacht.

12. Wer aber im Geist sagt: "Gib mir Geld oder irgendetwas anderes", auf den sollt ihr nicht hören; wenn er aber sagt, man soll für andere Bedürftige geben, so soll niemand ihn richten.

12. Kapitel

12,1. Jeder aber, der kommt im Namen des Herrn, soll aufgenommen werden; dann aber werdet ihr (ihn) durch kritische Beurteilung erkennen; denn ihr habt Einsicht nach rechts und nach links (= richtig und falsch).

2. Wenn der Ankömmling ein Durchreisender ist, helft ihm, so viel ihr könnt; er soll aber bei euch nur zwei oder drei Tage bleiben, wenn es nötig ist.

3. Wenn er sich aber bei euch niederlassen will, und er ist ein Handwerker, soll er arbeiten und sich so ernähren.

4. Wenn er aber kein Handwerk versteht, dann trefft nach eurer Einsicht Vorsorge, damit er als Christ ganz gewiß nicht müßig bei euch lebe.

5. Wenn er aber nicht so handeln will, dann ist er einer, der mit Christus Schacher treibt; vor solchen hütet euch!

13. Kapitel

13,1. Jeder wahrhaftige Prophet aber, der sich bei euch niederlassen will, ist seiner Nahrung wert.

2. Ebenso ein wahrer Lehrer: Auch der ist, wie der Arbeiter, seiner Nahrung wert.

3. Jeden Erstling nun des Ertrages von Kelter und Tenne, von Rindern und Schafen sollst du nehmen und sollst den Erstling den Propheten geben; sie sind nämlich eure Hohenpriester.

4. Wenn ihr aber keinen Propheten habt, dann gebt den Armen.

5. Wenn du Teig bereitest, nimm den Erstling und gib gemäß dem Gebot.

6. Ebenso, wenn du ein Gefäß mit Wein oder Öl öffnest, nimm den Erstling und gib ihn den Propheten.

7. Von Geld aber und Kleidung und jeglichem Besitz nimm den Erstling, wie es dir richtig scheint, und gib gemäß dem Gebot.

14. Kapitel

14,1. An jedem Herrentage, wenn ihr zusammenkommt, brecht das Brot und sagt Dank, nachdem ihr zuvor eure Verfehlungen bekannt hat, damit euer Opfer rein sei.

2. Keiner aber, der Streit mit seinem Nächsten hat, soll mit euch zusammenkommen, bis sie sich versöhnt haben, damit euer Opfer nicht entweiht werde.

3. Denn dies ist das vom Herrn gesprochene Wort: "An jeder Stelle und zu jeder Zeit mir ein reines Opfer darzubringen; denn ich bin ein großer König, spricht der Herr, und mein Name ist wunderbar unter den Völkern". [Mal. 1, 11 + 14]

15. Kapitel

15,1. Wählt euch nun Bischöfe und Diakone, würdig des Herrn, Männer, mild und ohne Geldgier und wahrhaftig und erprobt; denn sie leisten für euch ja auch den Dienst der Propheten und Lehrer.

2. Verachtet sie also nicht. Denn sie sind die von Gott ehrenvoll Ausgezeichneten unter euch, gemeinsam mit den Propheten und Lehrern.

3. Weist euch aber gegenseitig zurecht, nicht im Zorn, sondern in Frieden, wie ihr es habt im Evangelium. Und mit jedem, der sich vergeht gegen den anderen, soll niemand reden; und er soll auch nichts von euch hören, bis er Buße getan hat.

4. Eure Gebete aber und die Almosen und alle Taten verrichtet so, wie ihr es habt im Evangelium unseres Herrn.

[Eschatologischer Schluß]

16. Kapitel

16,1. Wachet über eurem Leben. Eure Lampen sollen nicht verlöschen und eure Lenden sollen nicht erschlaffen. Sondern seid bereit. Ihr wißt nämlich nicht die Stunde, in welcher unser Herr kommt.

2. Häufig aber sollt ihr zusammenkommen, und sucht (dabei) das, was für euer Leben nötig ist. Es wird euch nämlich die ganze Zeit eures Glaubens nichts nützen, wenn ihr nicht in der letzten Zeit vollkommen seid.

3. In den letzten Tagen nämlich werden zahlreich werden die Lügenpropheten und die Verderber, und es werden sich verkehren die Schafe in Wölfe, und die Liebe wird sich verkehren in Haß.

4. Wenn nämlich die Gesetzlosigkeit zunimmt, wird man einander hassen und verfolgen und verraten, und dann wird erscheinen der Weltverführer als "Sohn Gottes" und wird Zeichen und Wunder tun; und die Erde wird ausgeliefert werden in seine Hände, und er wird Freveltaten begehen, die niemals geschehen sind seit Urzeit.

5. Dann wird die Schöpfung der Menschen kommen in das Feuer der Bewährung, und viele werden zu Fall kommen und zugrundegehen; die aber standhalten in ihrem Glauben, werden gerettet werden von dem Verfluchten (= Christus) selbst.

6. Und dann werden offenbar werden die Zeichen der Wahrheit: Zuerst das Zeichen der Öffnung am/im Himmel, danach das Zeichen des Trompetenstoßes, und drittens die Auferstehung der Toten.

7. Nicht aller aber, sondern wie gesagt worden ist: "Es wird kommen der Herr und alle Heiligen mit ihm". [Sach.14, 5]

8. Dann wird die Welt sehen den Herrn, kommend auf den Wolken des Himmels...

[Schluß fehlt: vermutlich kurzer Hinweis auf das Weltgericht.

Die georgische Didache endet: ]

... mit der Macht und großer Herrlichkeit, damit er jedem Menschen gemäß seinen Werken in seiner heiligen Gerechtigkeit vergelte vor dem ganzen Menschengeschlecht und vor den Engeln. Amen.